Liebe Besucherinnen und Besucher meines blogs,
heute möchte ich von einer sehr traurigen Angelegenheit berichten und Euch bitten, mir Eure Meinung zu schreiben.
Aus gegebenem Anlass quält mich die Frage, die ich in der Überschrift gestellt habe. Ein Mensch, der mir sehr nahe
steht, ist – nach menschlichem Ermessen – unheilbar, erkrankt. Die Ursache hierfür ist eindeutig Magersucht.
Was nun kann einen Menschen veranlassen, keine oder nur ganz “abgewogene” Nahrung zu sich zu nehmen? Ich denke, dass die Antworten genauso vielschichtig sind, wie das Problem. Mit Sicherheit – und ich kann hier nur auf einzelne Punkte eingehen -, denn mit dieser Krankheit beschäftigt sich mittlerweile ein Heer von Fachleuten, jedoch ohne diese Krankheit in den Griff bekommen zu haben, weil dies einfach auf Grund der verschiedenen Ursachen und natürlich der verschiedenen Persönlichkeiten, die von dieser Krankheit betroffen sind, einfach unmöglich ist,- hat es etwas damit zu tun, dass die betroffene Person sich nicht selbst lieb hat! Wissen wir doch, dass die Selbst- Ablehnung ein großes Problem in der Psychologie darstellt. Wie aber – um alles in der Welt – kann es sein, dass man sich derart ablehnt, dass man seinem Körper die wichtige und auch notwendige Nahrung verweigert und damit geradezu heraufbeschwört, dass der Körper dann irgendwann auch nicht mehr weiter existieren möchte?
Gibt es eine Arte Gleichgültigkeit der Betroffenen in Bezug auf ihr eigenes Leben? Kann es das geben, dass man sich so ablehnt, dass sogar der Tod ab einem bestimmten Stadium egal ist oder zumindest in Kauf genommen wird? Viele traurige Schicksale haben bewiesen, dass es wohl Menschen gibt, bei denen dies zutrifft! Magersucht ist ja anerkanntermassen eine Krankheit, die mit fehlgeleiteten Kontrollmechanismen zu tun hat- zum Beispiel im Gegensatz zur Alkoholsucht! Was aber möchten die Betroffenen kontrollieren – sich selbst, ja, aber was genau an sich selbst?? Essen ist ein Ausdruck von Lebensfreude, die diese Menschen nicht haben? Oder nicht zulassen wollen? Essen bedeutet auch ein sinnliches Vergnügen – auch das wird abgelehnt, weil auch so ein Vergnügen nicht zugelassen wird, unterdrückt werden soll?
Wie kann man sich zum Beispiel mit 35 Kilo bei 1,65 noch angenehm und gut aussehend finden? Wie gekränkt und bis in die tiefsten Tiefen verletzt muss eine Seele sein, die konsequent über Jahre hinweg die Nahrung verweigert oder nur in ganz geringem Masse zulässt? Warum können sich viele Betroffene nicht aus dieser Situation befreien oder wenigsten Hilfe zur Befreiung annehmen? Ist es gerade ein “Markenzeichen” dieser Krankheit, dass diese Menschen sich ja völlig gesund fühlen?? Wo könnte hier Hilfe ansetzen, denn diese Menschen sehen doch, dass sie zumindest magerer sind als andere oder stellt sich das ihnen einfach nicht dar?? Es gibt so viele Fragen, wie es Menschen gibt, die davon betroffen sind.
Einige Zeit wurde diese Krankheit auch in den Medien thematisiert – dies geschieht schon seit längerer Zeit nicht mehr, oder es ist mir nicht mehr bekannt !
Unser Leben ist mit so vielen Erwartungshaltungen der Mitmenschen gespickt – jeder möchte, dass wir funktionieren und Höchstleistungen vollbringen - auf welchem Sektor ist fast egal – so dass viele Menschen dem Druck einfach nicht mehr gewachsen sind. Daher sucht sich die Seele dann ein anderes Ventil – und es bedeutet unsagbar viel Kraft – und Willensentfaltung, dagegen zu kämpfen und das zu tun, was einem selbst wichtig ist und gut tut!
Nun möchte ich auf die Frage kommen, die ich in der Überschrift meines blogs gestellt habe:
Ich bin fest davon überzeugt, dass Harmoniesucht lediglich vordergründig nichts mit Magersucht zu tun hat – dass heißt natürlich um Gottes Willen nicht, dass Harmoniesucht zu Magersucht führen muss!! Aber es liegt doch eine gewisse Gefahr in der Tatsache, es allen recht machen zu wollen, indem man sich selbst hinten an stellt! Eine große Stabilität im Leben stellt die eigene Selbstsicherheit dar, die davor schützt, dass man sich selbst und die Dinge, die für einen wichtig sind, zu häufig vernachlässigt! Leider ist eben gerade diese Selbstsicherheit bei vielen Menschen nicht ausgeprägt genug, um eben auch “in rauhen Zeiten” zu bestehen! Also kristallisiert sich für mich eine Wesentlichkeit heraus, die vor psychischen Krankheiten bewahren kann – leider nicht zwangsläufig muss – die Eigenliebe!! Das hat nun ganz und gar nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit der absoluten Notwendigkeit, die Seele vor dem Ansturm der Mitmenschen und Ihren Forderungen zu schützen.
Die bedeutet auch, sich gegen die Meinung der anderen durchsetzen zu können und nicht sofort umzuknicken, wenn eine nahe stehende Person zum Beispiel sagt:” Dass du das oder das tust, kann ich aber nicht akzeptieren!”
Na, dann eben nicht – man selber muss sich gut fühlen – die Folgen, wenn der Betroffene auf den Menschen mit dem guten Ratschlag hören würde, und der Ratschlag erweist sich dann als falsch, wird bestimmt nicht mit getragen, sondern diese Folgen muss man dann ja auch selbst aus löffeln!
Also: seien Sie immer sie selbst und tuen Sie wirklich nur und alleine das, von dem Sie glauben, dass es Ihnen gut tut – auch, wenn Ihre Umgebung das anders sehen sollte!
Das Leben kann so schnell vorbei sein, und dann gibt es eben keine neue Chance mehr, dieses oder jenes gerade zu rücken oder zu ändern! Das sollten wir niemals vergessen!
Herzlichst Ihre
Marina Schott
