Liebe Leserinnen und Leser,
wie ich Ihnen gestern versprochen habe, folgt also hier die Fortsetzung des Artikels: (wieder nehme ich, der Einfachheit halber, den “männlichen” Artikel – gemeint sind immer Personen beider Geschlechter!)
Vielleicht hat ja der Eine oder Andere von Ihnen schon damit begonnen, sich ein paar Dinge über sich selbst zu notieren? Das würde mich riesig freuen, ist es doch der erste Schritt auf dem Weg aus der Harmoniesucht. Finden Sie nicht auch, dass es gar nicht so schwer ist, wenn man sich einmal in Ruhe mit sich selbst beschäftigt, wirklich gute und positive Eigenschaften an sich zu entdecken, von denen man vorher gar nicht wußte, dass man sie hat?
Sollten Sie noch nicht dazu gekommen sein, meinen gestrigen Rat zu beherzigen und umzusetzen, dann haben Sie ja jetzt am Wochenende vielleicht ein wenig Muße, dies zu tun!
Wenn Sie nun auf einem Blatt Papier all die guten Eigenschaften und Fähigkeiten aufgezählt haben, die Ihnen eigen sind, dann ist das doch wirklich ein Grund, ganz stolz auf sich selbst zu sein, finden Sie nicht auch? Lassen Sie dieses Gefühl auf sich wirken und genießen Sie es! So viele Eigenschaften, die Sie vor anderen Menschen, die Sie kennen, auszeichnen! Jetzt sagen Sie aber bitte nicht, Sie hätten nichts gefunden, was Sie für wert halten, aufgeschrieben zu werden – denn das gibt es nicht, weil jeder, aber auch jeder Mensch Eigenschaften hat, die ihn von anderen unterscheiden, und hier meine ich natürlich:gute Eigenschaften! Einige Tipps, wo Sie bei sich suchen können, habe ich Ihnen ja gestern schon gegeben.
Fällt Ihnen spontan nichts ein, was Sie aufschreiben können, dann gehen Sie noch mal in sich und stellen sich die Frage:” Welche Fähigkeiten habe ich, die mich von meinen Mitmenschen unterscheiden?” Versuchen Sie auch nicht, etwas Großartiges zu finden, wie zum Beispiel:” Ich bin ein gottbegnadeter Sänger!” oder sonst etwas Hochtrabendes! Die kleinen und oft kaum beachteten Fähigkeiten sind es meistens, die Sie vor anderen auszeichnen!Sind Sie ein besonders umsichtiger Autofahrer? Decken Sie besonders liebevoll den Tisch? Sind Sie ein besonders geduldiger Zuhörer? Alles Dinge, die von Ihnen beachtet werden müssen!
Jetzt machen wir den ultimativen Zeitsprung und schauen uns an, wie Sie dann weiter vorgehen können, wenn Sie sich neu entdeckt haben! Gewappnet mit den neuen Erkenntnissen über sich selbst, probieren Sie vielleicht, in Ihrem Freundeskreis beginnend, aus, wie es ist, wenn Sie nun Ihren eigenen Standpunkt beziehen zu einem Thema, das im Gespräch gerade aufkommt. Ich möchte Ihnen anhand eines gerade heiß diskutierten Themas ein Beispiel geben: auf Grund der schrecklichen Katastrophe in Duisburg wird ja der Rücktritt des dortigen Bürgermeisters gefordert. Mal angenommen, dieses Thema kommt auf, und während Sie sich früher immer bei solchen Diskussionen zurückhielten, sagen Sie nun einfach und mit Nachdruck Ihre Meinung. ( Sie wissen ja nun um Ihren Wert, und jeder Diskussionsbeitrag trägt zur Bereicherung bei in einer solchen Runde!) Sie haben keine Angst mehr, abgelehnt zu werden, geschweige denn Angst, Ihren Mund aufzumachen! Selbst wenn Ihre Meinung nicht auf Zustimmung stößt: jeder hat das Recht, seine Meinung sagen zu dürfen! Und: was kann auch passieren, wenn nicht alle Ihrer Meinung wären? Nichts! Im Gegenteil, sollten Sie sich bisher wirklich immer zurück gehalten haben und kaum je Ihrer Meinung Ausdruck verliehen haben, werden Ihre Freunde mit Sicherheit erstaunt und erfreut sein, wenn Sie einen Diskussionsbeitrag leisten!
“So, das mag ja nun noch gehen”, denken Sie vielleicht,” aber wie sieht es denn in meiner Partnerschaft aus, wie schaffe ich es, dort meine Meinung zu sagen?” Hier sieht die Sache, jedenfalls in der praktischen Umsetzung, in der Tat ein wenig anders aus, da der Dämon der Verlustangst noch dazu kommt. Betrachten Sie aber mal diesen Aspekt wie folgt: bestimmt haben Sie sich, als Sie sich kennenlernten, als gleich-wertig angesehen und lieben gelernt. In einer Parnerschaft ist es unabdingbar, dass man miteinander kommuniziert, weil das eine der wichtigesten Ebenen des Kennenlernens und der Partnerschaft überhaupt darstellt. Und das, so lange man zusammen ist! Sagt jetzt ein Partner zu allem buchstäblich “ja” und “amen”, dann findet keine Kommunikation statt. Weder weiß der Partner, wie Sie denken, noch was Sie denken und erst recht weiß er nicht, warum Sie etwas denken! Dies zu wissen und sich miteinander auszutauschen ist das Salz in der Beziehung, denn ohne Austausch kann auch keine Beziehung wachsen, geschweige denn überhaupt auf Dauer bestehen bleiben! Dies zu erkennen, ist der erste Schritt in die richtige Richtung !
Das Beste ist, wenn Sie Ihrem Partner Ihre Verlustangst mit dem gewonnen Selbst-Vertrauen mitteilen! Es ist immer der beste ( nicht der leichteste!!) Weg, das Problem bei den “Hörnern zu packen” und nicht lange drum herum zu reden! Sie werden erleben, dass Ihr Partner mit Verständnis reagiert,und im Idealfall werden Sie sich über alle Dinge, die die ganze Zeit ungesagt waren, aussprechen.
Natürlich sollten Sie auch eine andere Reaktion seitens des Partners in Betracht ziehen – Sie kennen ihn! Sollte er nicht mit Verständnis und Offenheit reagieren und aus der Situation gar ein Streit entstehen, dann sind Ihrerseits neue Überlegungen gefordert, ob die Partnerschaft, die Sie haben, sich auch weiterhin so nennen kann! Aber auch, falls Sie solche Überlegungen anstellen müßten, gilt dann der Spruch:” Besser spät als nie!”, denn Sie haben es verdient, in einer glücklichen und erfüllten Partnerschaft zu leben!
Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen einige Gedankenanstösse bieten konnte und ich freue mich, wenn Sie mir schreiben, damit wir eine lebendige Diskussion eröffnen können!
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein schönes und erholsames Wochenende!
Herzlichst
Ihre Marina Schott
