Liebe Leserinnen und Leser,
lange habe ich nichts mehr auf meinem Blog veröffentlicht, denn dazu war ich nicht fähig. Da dies ein Blog ist, der sich mit psychologischen Dingen beschäftigt, dachte ich mir, dass ich einfach einmal meiner Trauer um den Verlust meiner Schwester Luft machen kann und soll. Schreiben soll auch helfen, zu verarbeiten.
Am 7. Dezember 2009 bekam meine Schwester die grauenvolle Diagnose, dass sie Bauchspeicheldrüsenkrebs habe. Ich war schockiert und verzweifelt, da ich wußte, dass dies, wenn nicht ein Wunder geschieht, das Todesurteil für sie war. Die Hilflosigkeit, mit der der Mensch vor so einer Eröffnung steht – sowohl der Betroffene als auch die Angehörigen- zeigt einmal mehr, dass der Mensch, trotz großer Dinge, die er geleistet hat, in seinem innersten Wesen klein und hilflos ist. Ich war unglaublich verzweifelt und konnte es anfangs im wahrsten Sinne des Wortes nicht “fassen”. Ich möchte an dieser Stelle auch sagen, dass wir einander niemals so besonders nahe waren- sie war 6 Jahre jünger als ich- und wir waren völlig verschiedene Naturen. Sie hatte auch noch ein großes Problem, dass aber natürlich für sie nicht existierte: sie war magersüchtig.!
Ich habe sie immer sehr geliebt und alle Versuche meinerseits, eine Aussprache herbeizuführen, fielen nicht auf fruchtbaren Boden; meine Schwester sah wohl keine Notwendigkeit, sich mit mir aus zu sprechen. Ich wollte nun meinerseits auch nicht aufdringlich sein – sie hatte einen sehr anstrengenden und fordernden Job – also habe ich dann mit den Jahren auch nicht weiter auf sie eingeredet.
Am 27. Juni hatte sie Geburtstag und natürlich fuhr ich zu ihr. Sie gab eine ganz große Feier in einer tollen Location. Alles war wirklich perfekt. Sie hielt auch noch eine Rede, obwohl sie unglaublich schwach und zerbrechlich wirkte und war - kein Wunder bei 35 kilo und 1,68. Ich habe diesen Anblick kaum ertragen können und fast nur geweint. Ich hatte so einen unsagbaren Schmerz in mir, auch deshalb, weil wir uns eben nie ausgesprochen haben, um vielleicht die Chance zu haben, unsere Beziehung zu verbessern. Sie war immer so beherrscht und kontrolliert bis zum Äußersten – eben so, wie magersüchtige Menschen sind. Eine Leichtigkeit des Seins fehlte ihr völlig – wie gerne hätte ich ihr ein wenig von mir abgegeben! Als ich sie an ihrem Geburtstag sah, wußte ich, dass es unwiederbringlich sein würde, dass sie stirbt. Trotzdem machten wir uns aus, dass ich sie am 7.8. besuchen wollte, um drei Tage bei ihr zu bleiben. Wir wollten einfach Zeit miteinander verbringen. Davor hatte ich ein wenig Angst, denn sie brauchte medizinische Betreuung, wovon ich nun gar keine Ahnung habe, aber mein Schwager beruhigte mich dahingehend, dass dies natürlich eine Krankenschwester übernehmen würde.
Am 1. August rief meine Schwägerin mich an, um mir mitzuteilen, dass ich, wenn ich meine Schwester noch einmal lebend sehen wollte, sofort kommen müsse. Ich hatte eine Fahrt von fast 600 Kilometern vor mir – ich sprang sofort in meine Auto- immer in Panik, dass ich sie nicht mehr lebend sehen werde können, denn ich fuhr von einer Baustelle zur nächsten und von einem Stau zum anderen. Ich schaffte es dennoch, sie noch eine viertel Stunde zu sehen – wir haben uns an den Händen gehalten und fast nichts gesagt, da sie schon unglaublich schwach war. Ich wußte instinktiv, dass dies das letzte Mal war, dass ich sie lebend sah und versuchte, mich von ihr ( innerlich) zu verabschieden. Dass dies nicht funktionierte, jedenfalls nicht bei mir, habe ich gemerkt, als mich mein Schwager am 7.8. um 23:00 anrief, um mir mitzuteilen dass sie um 21.00 gestorben sei. Einerseits war ich so erleichtert, dass nun endlich ihr Leiden vorbei ist und sie dort ist – davon bin ich fest überzeugt – wo es ihr gut geht. Andererseits hat mich doch die Trauer darüber, dass wir nicht mehr sprechen können, übermannt. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass sie nicht mehr lebt – dies ist mein erster Gedanke morgens und mein letzter am Abend.Bezeichnend auch, dass sie gerade an dem Tag, an dem ich zu ihr kommen wollte, starb.
Loszulassen ist oft schwierig und dennoch so unendlich wichtig. Festzuhalten ist egoistisch, und trotzdem ist dies alles leichter gesagt als getan. Vorallem hat wirklich alles seine Zeit, und deshalb muss man sich diese Zeit der Trauerarbeit auch gönnen!
Magersucht hat nun wieder doch sehr viel mit den Themen, mit denen ich mich auf meinem Blog beschäftige, zu tun. Denn dies ist der Schrei nach Liebe. Ich habe es niemals geschafft, meine Schwester dazu zu bringen, dass sie sich selbst liebt, dazu war ihre Krankheit der Magersucht schon zu weit fortgeschritten. Die wenigsten Psychologen sind dazu in der Lage, diesen Menschen zu helfen- es ist eines der kompliziertesten Krankheitsbilder auf diesem Gebiet!
Meine Schwester wurde 50 Jahre jung.!
Herzlichst Ihre
Marina Schott

Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer sehr traurig und emozional für die Hinterbliebenen .
Man fragt sich ständig warum nur gerade dieser Mensch .
Ständig gehen einen Gedanken durch den Kopf ,wie sie zu Lebzeiten waren ,was man alles mit ihnen erlebt hat und
auf die Frage “WARUM ” kann einen niemand eine Antwort geben .
Die Gedanken kreisen immer und immer wieder in unseren Köpfen rum ,manch mal ist es hilfreich,wenn man einfach denkt:Jetzt müssen sie nicht mehr leiden und haben ihren Frieden gefunden und dort wo sie jetzt sind geht es ihnen besser .
Aber alles leichter gesagt wie getan ,wenn man überhaupt nicht mit dem Verlust eines geliebten Menschen zurechtkommt,sollte man unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen .
Denn für die Hinterbliebenen geht das Leben weiter und
man sollte die Verstorbenen in lieber und guter Erinnerung behalten .Dies geht auch nicht von heute auf morgen,aber die Zeit hilft uns dabei .
Meine aufrichtige Anteilnahme
Elke